
Die „Oldtimer“-Standorte sind familiengeführte Autobahnrestaurants in Österreich, die Reisenden eine Mischung aus regionaler Küche, Gastfreundschaft und zusätzlichen Angeboten wie Shops, Spielplätzen und auch Unterkünften bieten. Das Ehepaar Stefanie und Rico Hofmann übernimmt gemeinsam die Geschäftsführung in zweiter Generation. Im Gespräch mit BIO OIL erzählen sie von dem Erfolgsrezept, dem Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen sowie von Herausforderungen der gemeinsamen Geschäftsführung als Ehepaar.
Frau Hofmann: Mein Vater hat Koch in St. Pölten gelernt und hat später bei Rosenberger maßgeblich am Aufbau von Raststätten mitgewirkt. Danach machte er sich selbstständig und betrieb eigene Autobahntankstellen. Dort entstand auch die Idee zum Fernfahrerkaffee: Die Gäste bekamen ihren Kaffee in Tassen, die sie mitnehmen durften. Anfangs waren Pferdekutschen darauf, später ließen wir Tassen mit Oldtimern produzieren – daraus entstand der Markenname.
Frau Hofmann: Ich glaube, dass die Liebe zum Detail den Erfolg ausgemacht hat. Mein Vater war täglich im Betrieb und im direkten Austausch mit Kund:innen – so hat er Trends früh erkannt, die andere gar nicht mitbekommen haben. Ein gutes Beispiel: Während des Jugoslawienkriegs fragten viele Reisende gezielt nach grünem, ungeröstetem Kaffee und wir nahmen ihn kurzerhand ins Sortiment auf. Dieses Prinzip leben wir bis heute: Wir sind selbst täglich vor Ort, beobachten Bedürfnisse und wägen Trends bewusst ab.
Herr Hofmann: Wir erfüllen die Bedürfnisse aller Zielgruppen, unter anderem, weil die unterschiedlichen Zielgruppen zu verschiedenen Zeiten zu uns kommen. Unter der Woche dominieren etwa Lkw-Fahrer und Businessgäste, an Wochenenden und Feiertagen Familien. So kommen die Zielgruppen gut aneinander vorbei und gleichzeitig sind wir natürlich optimal ausgelastet.
Frau Hofmann: Der Standort Oed unterscheidet sich deutlich von den anderen: Es handelt sich um einen Autohof direkt bei der Abfahrt, inklusive Tankstelle mit eigenem Oldtimer-Treibstoff. Entsprechend ist das Angebot preislich etwas günstiger und stärker auf schnelle Verpflegung ausgerichtet. Zusätzlich betreiben wir dort auch einen Burger King sowie einen größeren Shop.
Herr Hofmann: Bei unserem Standort Oed schließt sich quasi der Kreis. Man kann fast schon sagen: Unten wird es ausgeleert und oben kommt es wieder hinein. So einfach funktioniert das natürlich nicht, aber im Endeffekt ist der Kreislauf von Altspeiseöl zu abfallbasiertem Biodiesel an einem einzigen Standort in sich geschlossen.
Frau Hofmann: Wir decken bereits rund zwei Drittel unseres Strombedarfs mit Photovoltaik und planen, diesen Anteil weiter auszubauen – ebenso wie E-Ladestationen.
Frau Hofmann: Viele Kund:innen erzählen uns, dass sie schon als Kinder regelmäßig bei uns Halt gemacht haben und heute mit ihren eigenen Kindern zurückkehren, um diese Erinnerungen weiterzugeben. Das ist für mich das schönste Kompliment!
Herr Hofmann: Für mich gibt es nicht eine große Erinnerung – vielmehr sind es die vielen kleinen Momente im Alltag. Eine Mitarbeiterin war beispielsweise im Krankenstand und dementsprechend nicht vor Ort. In dieser Zeit haben mehrere Stammgäste nach ihr gefragt und sich erkundigt, wie es ihr geht. Das hat mich besonders gefreut, weil es zeigt, wie wichtig unsere Mitarbeiter:innen für das Erlebnis unserer Gäste sind.
Frau Hofmann: Wir haben uns im Studium kennengelernt und schon frühgemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten. Nach einigen Jahren in unterschiedlichen Jobs sind wir – auch mit Blick auf Familie und Karriere – gemeinsam in den Familienbetrieb eingestiegen. Für uns war wichtig, Verantwortung zu teilen und gleichzeitig flexibel für unsere Kinder da zu sein.
Herr Hofmann: Die größte Herausforderung ist es, klare Grenzen zu ziehen. Man muss bewusst sagen: „Heute sprechen wir nicht mehr über die Firma.“ Gleichzeitig ist es auch effizient, weil wir Themen schnell klären können. Diese Balance zwischen Arbeit, Familie und eigener Zeit ist ein täglicher Prozess.
Herr Hofmann: Wir haben bereits einige Interviews geführt – interessant, dass diese Frage bisher noch nicht gestellt wurde, obwohl sie in meinen Augen sehr wichtig ist. Es ist tatsächlich ein Thema, das uns eigentlich täglich beschäftigt.
Urlaub ist aktuell eine besondere Herausforderung. Seit kurzem fahren wir getrennt voneinander auf Urlaub – wir haben gemerkt, dass es anders nicht geht. Natürlich wäre es schön, einmal als Großfamilie gemeinsam verreisen zu können, aber ich denke, dieses Thema kennen viele Familien.
Herr Hofmann: Also, 30 Jahre gehen über meinen Horizont hinaus. In 30 Jahren will ich sicher nicht mehr hier sitzen (lachend). Mittelfristig gibt es natürlich ein paar Ideen.
Frau Hofmann: Ein zentraler Fokus liegt auf unserer Kommunikation: Wir wollen stärker zeigen, wofür Oldtimer steht. Themen wie Social Media, neue Bildwelten und PR gewinnen dabei an Bedeutung. Auch am Standort Oed sehen wir großes Potenzial. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Digitalisierung: Wir wollen moderner werden, ohne unsere traditionellen Stärken zu verlieren.
BIO OIL war auch mit der Kamera vor Ort und hat einen Blick hinter die Kulissen der Oldtimer Autobahnrestaurants und Motorhotels geworfen – stay tuned auf unseren Social‑Media‑Kanälen
Unser oberstes Ziel ist es, Top-Service zu bieten und qualitativ hochwertige Produkte zu fairen Bedingungen bereitzustellen – ganz im Sinne einer nachhaltigen Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Geschäftspartnern.